Britische Ministerien streiten über den Energiebedarf von KI-Rechenzentren

Die britische Regierung steht vor einer großen Herausforderung: Sie will die Nutzung sauberer Energien vorantreiben und gleichzeitig eine weltweit führende Rolle im Bereich der künstlichen Intelligenz einnehmen. Doch zwischen den für diese Ziele zuständigen Ministerien bestehen erhebliche Unstimmigkeiten. Das Ministerium für Wissenschaft, Innovation und Technologie (DSIT) und das Ministerium für Energiesicherheit und Netto-Null (DESNZ) haben stark voneinander abweichende Prognosen für den künftigen Strombedarf von KI-Rechenzentren.
Das DSIT geht davon aus, dass KI-Rechenzentren bis 2030 6 Gigawatt Strom benötigen werden, während das DESNZ diesen Wert auf weniger als ein Zehntel davon schätzt. Diese Diskrepanz hat die Aufmerksamkeit der gemeinnützigen Organisation Foxglove auf sich gezogen. Ihr Strategiedirektor, Tim Squirrell, bezeichnete die Missachtung der Umweltauswirkungen von Rechenzentren durch die Regierung als schockierend. Cecilia Rikap, eine Forscherin am University College London, merkte an, dass die Diskrepanz möglicherweise auf Kapazitätsengpässe in den Ministerien oder unrealistische Erwartungen an große Technologieunternehmen zurückzuführen sei.
DESNZ überwacht den britischen CO₂-Budgetplan, der detailliert darlegt, wie die Regierung ihre internationalen Klimaziele erreichen will. Foxglove reichte bei DESNZ einen Antrag auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung ein und fragte, wie sich das Wachstum von KI-Rechenzentren in den CO₂-Emissionsprognosen widerspiegeln würde. DESNZ antwortete, dass Forscher die allgemeineren Energieverbrauchsprognosen für den gewerblichen Dienstleistungssektor heranziehen könnten, ohne jedoch konkrete Vorhersagen zur Erweiterung von Rechenzentren zu liefern.
Dieser Prognose zufolge wird der Gesamtenergieverbrauch der Branche zwischen 2025 und 2030 um 528 Megawatt steigen – was in etwa dem Strombedarf von 170.000 Haushalten entspricht. Dieser prognostizierte Wert liegt weit unter dem in der „UK Computing Roadmap“ des DSIT genannten zehnfachen Strombedarf für KI-Rechenzentren. Der Bericht des DSIT betont, dass das Vereinigte Königreich bis 2030 mindestens 6 GW an Kapazität für KI-Rechenzentren benötigen wird.
Im gleichen Zeitraum scheint das DSIT seine früheren Emissionsprognosen für KI-Rechenzentren drastisch revidiert zu haben und die Zahlen um mehr als das Hundertfache erhöht zu haben. Ursprünglich prognostizierte das DSIT CO₂-Emissionen aus zusätzlicher KI-Rechenkapazität zwischen 0,025 und 0,142 Millionen Tonnen. Diese Schätzung wurde später auf 34 bis 123 Millionen Tonnen aktualisiert, was 0,9 % bis 3,4 % der prognostizierten Gesamtemissionen des Vereinigten Königreichs entspricht.
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